VGL Bayern schließt Pilotprojekt vorerst erfolgreich ab: Zehn Kenianer starten Ausbildung im GaLaBau
Der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Bayern (VGL Bayern) startete im März 2026 das Projekt „Azubi-Gewinnung Kenia“. Ziel ist es, geeignete junge Menschen aus dem ostafrikanischen Land in bayerischen Betrieben des Garten- und Landschaftsbaus auszubilden. Erster Erfolg: Nach einem professionellen Auswahlverfahren werden zehn Kenianerinnen und Kenianer im September ihre Ausbildung zum Beruf „Landschaftsgärtner/in“ beginnen.
Angesichts der demografischen Entwicklung wird es in Deutschland für viele Branchen zunehmend schwieriger, ausreichend geeigneten Berufsnachwuchs zu finden – so auch im Garten- und Landschaftsbau (GaLaBau). Umso wichtiger ist es, Menschen aus dem Ausland für eine Ausbildung hierzulande zu gewinnen und sie als Fachkräfte in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Ein vielversprechendes Partnerland ist dabei Kenia, dessen Bevölkerung mit einem Medianalter von rund 21 Jahren vergleichsweise jung ist.
Partnerschaft für internationale Nachwuchsgewinnung aufgebaut
Um neue Wege in der Nachwuchsrekrutierung zu erschließen, reisten Susann Liebe, Willkommenslotsin beim VGL Bayern, und Otto Reichl, Senior-Chef der Firma Reichl Garten, im November vergangenen Jahres nach Kenia. Im Rahmen von Gesprächen mit Vertretern der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), der Delegation der Deutschen Wirtschaft für Ostafrika (Auslandshandelskammer), beide mit Regionalbüros in Nairobi, sowie der Kenyatta University wurden Möglichkeiten einer Kooperation erörtert.
Im März folgte ein Treffen des VGL Bayern und der GIZ an der DEULA Bayern in Freising. Dort beschlossen beide Organisationen ihre Partnerschaft und gaben den Startschuss für das Pilotprojekt „Azubi-Gewinnung Kenia“. Hier Infos bzgl. finanzieller Unterstützung der GIZ für das Projekt. Gleichzeitig verständigte man sich auf die Kiambu National Polytechnic als weiteren Projektpartner. Die Berufsschule am Stadtrand von Nairobi ist ein Center of Excellence, welches die GIZ im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unterstützt und über langjährige Erfahrung in deutsch-kenianischen Berufsbildungskooperationen verfügt.
Praxisnahes Auswahlverfahren statt anonymer Bewerbung
Im Anschluss schrieb die GIZ das Projekt über ihr landesweites Netzwerk in Kenia aus, zu dem unter anderem das Goethe-Institut gehört. Mehr als 100 Interessierte bewarben sich daraufhin um die Teilnahme. Nach einer Vorauswahl geeigneter Kandidatinnen und Kandidaten sowie Online-Bewerbungsgesprächen wurden 15 Personen für einen Praxistest eingeladen. Voraussetzung für die Teilnahme war außerdem ein Deutsch-Sprachniveau von mindestens B1.
Vom 4. bis 13. Mai durchliefen die Bewerberinnen und Bewerber im „Green Skills Camp“ auf dem Gelände der Kiambu National Polytechnic einen intensiven Auswahlprozess. Zu den Aufgaben gehörten Pflanz-, Pflaster- und Plattenarbeiten ebenso wie der Umgang mit dem Nivelliergerät und der Motorheckenschere. Neben den handwerklichen Fähigkeiten flossen Motivation, Auffassungsgabe, Belastbarkeit, Zuverlässigkeit und Teamfähigkeit in die Bewertung ein.
Neben Susann Liebe begleiteten Sem Haikali, Ausbilder bei der DEULA Bayern, sowie Oliver Lindholz, Ausbilder und Bauleiter bei der Firma Endlich Garten- und Landschaftsbau, den achttägigen Praxistest persönlich vor Ort. Die Finanzierung des gesamten Verfahrens – von der Projektausschreibung über die Durchführung des Tests bis hin zu den Reise- und Aufenthaltskosten aller Beteiligten – übernahm die GIZ. Ferner stellte die Gesellschaft sämtliche benötigten Materialien, Werkzeuge und technischen Geräte zur Verfügung.
Das Ergebnis: Zwei Frauen und acht Männer konnten überzeugen. Sie werden im August am Münchner Flughafen erwartet und werden im September ihre Ausbildung in sechs bayerischen GaLaBau-Betrieben beginnen. „Ich hoffe sehr, dass alle bei uns gut ankommen und ihren Weg machen – sie hätten es verdient“, zeigte sich Lindholz beeindruckt von ihren Leistungen. „Das wird zwar kein Spaziergang, für keinen der Beteiligten. Aber Landschaftsgärtner schaffen das.“
Umfassende Vorbereitung auf den Ausbildungsstart
In der abschließenden Projektphase bereiten die aufnehmenden Unternehmen gemeinsam mit Liebe derzeit den Ausbildungsstart der Kenianerinnen und Kenianer vor. Die Betriebe finanzieren zunächst die Einreise ihrer zukünftigen Auszubildenden. In Form eines Darlehens oder eines Gehaltsvorschusses übernehmen sie die Reisekosten sowie die Visagebühren. Darüber hinaus stellen sie bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung.
Die Willkommenslotsin kümmert sich parallel um die Erstellung der Ausbildungsverträge und der notwendigen Vollmachten. Zudem koordiniert sie die weiteren Verfahrensschritte mit den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten als zuständigen Stellen. Zusätzlich beantragt sie die Vorabzustimmung der Bundesagentur für Arbeit und leitet die ausländerrechtlichen Visaverfahren in Abstimmung mit der GIZ und der deutschen Botschaft in Nairobi ein. Auch nach dem Ausbildungsstart im September unterstützen Liebe, Haikali und Lindholz bei der Integration der Auszubildenden, etwa bei behördlichen oder organisatorischen Fragen im Alltag.
„Mit dem Projekt des VGL Bayern erhalten die Betriebe keine anonymen Zufallsbewerbungen, sondern Auszubildende, die sich zuvor in einem strukturierten und vor allem persönlich begleiteten Auswahlprozess bewährt haben. Es entstehen keine Vermittlungsgebühren. Auch damit grenzen wir uns von unseriösen Vermittlern ab“, betont Liebe.